Atari 2600 Junior
| Modell-/Baujahr | Atari VCS: 1977 / Atari 2600 Junior: 1986 |
| CPU | MOS Technology 6507 @ ca. 1,19 MHz |
| RAM | 128 Byte (1/8 kB) |
| Grafik/Sound | TIA (Television Interface Adapter) für Bild, Ton und Eingaben |
| Anzeige | Ausgabe an ein Fernsehgerät über Antennenanschluss |
| Massenspeicher | Steckmodule mit fest gespeicherten Programmen |
| Schnittstellen | Modulschacht, 2× 9-poliger Controlleranschluss, TV-Ausgang, Netzteilanschluss |
| Energieversorung | externes 9-V-Netzteil |
| Controller | Joysticks, Paddle-Controller und weitere Atari-kompatible Eingabegeräte |
| Bemerkungen | späte, kostenreduzierte Gehäusevariante; softwarekompatibel zum ursprünglichen Atari VCS |
| Zustand | sehr guterZustand, z.T. noch mit Schutzfolie |
Der Atari 2600 Junior steht am Ende einer langen Entwicklungslinie, die 1977 mit dem Atari Video Computer System (VCS) begann. Das erste digitale Spiel mit Anschluß für den heimischen Fernseher war Ataris Pong, welches 1972 erschien. 1977 hatte der Pong-Markt schon einiges an Schwung verloren und Atari beim Nachfolger auf ein System, dessen Spiele nicht fest eingebaut waren, sondern als wechselbare Steckmodule verkauft wurden. Damit wurde aus dem einzelnen Telespiel ein dauerhaft erweiterbares Spielsystem für das Wohnzimmer.
Entscheidend war dabei weniger ein einzelnes technisches Merkmal, als das Zusammenspiel aus Konsole, Controllern, Fernsehgerät und Spielmodulen. Die 2600 machte so bekannte Arcade-Ideen im Heimbereich verfügbar: nicht in identischer Form, aber so, dass bekannte Spielprinzipien zu Hause wiedererkennbar wurden. Besonders Space Invaders zeigte ab 1980, wie stark ein erfolgreiches Spiel den Absatz einer Konsole prägen konnte.
Die Hardware des VCS war dabei von Anfang an stark auf niedrige Kosten ausgelegt. Der 6507-Prozessor ist eine vereinfachte Variante der seit 1975 verfügbaren Mostek 6502-CPU, der Arbeitsspeicher des VCS umfasst nur 128 Byte. Einen frei beschreibbaren Bildspeicher gibt es nicht; der TIA-Chip erzeugt das Bild während des laufenden Fernsehbildaufbaus (wie beim späteren Sinclair ZX80 noch). Für die Programmierer bedeutete das enge Vorgaben und präzises Timing auf Maschinenbefehlsebene. Viele bekannte Atari-2600-Spiele entstanden gerade aus dem geschickten Umgang mit diesen Einschränkungen.
Mit dem Erfolg des VCS wuchs auch ein neuer Markt für unabhängige Spielehersteller: Spielefirmen wie Activision zeigten, dass sich mit Software für fremde Konsolen ein eigenes Geschäft aufbauen ließ. Gleichzeitig wurde diese Offenheit zu einem Problem: Anfang der 1980er Jahre erschienen sehr viele Module in kurzer Zeit, die Qualität war uneinheitlich, und der nordamerikanische Videospielmarkt geriet 1983 in eine schwere Krise. Die Atari-2600-Ära steht deshalb sowohl für den Aufbruch der Heimvideospiele als auch für die ersten Übertreibungen dieses jungen Marktes.
Das Junior-Modell erschien 1986 als sehr preisgünstige Neuauflage des damals beinahe schon zehn Jahre alten VCS in einem Umfeld bereits wesentlich modernerer Konsolen. Das flache schwarze Gehäuse mit der farbigen Frontblende knüpfte gestalterisch an die späteren Atari-Modelle an, blieb im Inneren aber im Wesentlichen ein Atari 2600. Seine wichtigste Stärke war die über Jahre gewachsene Spielebibliothek.